Schiffsarzt an Board

Als Schiffsarzt wird ein Arzt bezeichnet, der die medizinische und zahnmedizinische Versorgung an Bord von Schiffen im zivilen und militärischen Bereich sicherstellt und Verantwortung für die Einhaltung der hygienischen Sicherheitsvorschriften trägt.

Ob ein Schiffsarzt an Bord sein muss, wird durch nationale Vorschriften geregelt. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat in § 8 der ILO Convention Nummer 164 von 1987 zum Gesundheitsschutz und der medizinischen Versorgung von Seefahrern empfohlen, dass bei Schiffen mit mehr als 100 Personen an Bord und Fahrten über mehr als drei Tage ein Schiffsarzt an Bord sein soll.

Ab 800 Personen an Bord soll das Schiff über zwei Schiffsärzte verfügen. Die Besetzung von Schiffen mit medizinischem Personal wird durch jeweilige nationale Vorschriften geregelt. Gültig sind die Vorschriften des Landes, unter dessen Flagge das Schiff fährt.

In Deutschland schreibt die Verordnung über die Krankenfürsorge auf Kauffahrteischiffen (SchKrFürsV) in §15 (Download) für Schiffe mit mehr als 75 Personen bei Reisen in der Mittleren und Großen Fahrt sowie bei Probefahrten die Besetzung mit einem Schiffsarzt vor.

Schiffe mit mehr als 100 Arbeitnehmern an Bord sind bei Reisen in der Kleinen Fahrt von mehr als 3 Tagen Dauer ebenfalls mit einem Schiffsarzt zu besetzen. Übersteigt die Zahl der Personen auf einem Schiff 800, so muss ein zweiter Schiffsarzt an Bord sein. Unter kleiner Fahrt versteht man die Fahrt in küstennahen Gewässern, unter mittlerer Fahrt die Fahrt zwischen europäischen Häfen mit Ausnahme Islands, der Azoren und Spitzbergen. Die Große Fahrt beinhaltet eine weltweit unbegrenzte Seefahrt auf allen Meeren.

Taetigkeitsspektrum

In den Dienstzeiten gibt es geregelte Sprechstunden-Zeiten, getrennt für Crew und Passagiere. Bei zwei Schiffsärzten wird gewöhnlich im 24-Stunden on/off -Modus gewechselt, das heißt der Schiffsarzt hat 24 Stunden Dienst und anschließend 24 Stunden Freizeit.

Zum Tätigkeitsspektrum des Schiffsarztes auf Kreuzfahrschiffen gehört die Gewährleistung der medizinischen Versorgung an Bord inklusive der Übernahme von 24-Stunden-Bereitschaftsdiensten. Die Teilnahme an speziellen Trainings und Kursen an Bord dienen in den meisten Fällen der Schiffsicherheit.

Der Schiffsarzt ist zudem für Ausstattung der Bordapotheke und Geräteeinweisung des medizinischen Personals verantwortlich. Er ist offizieller Ansprechpartner des Kapitäns in allen medizinischen Fragen. Regelmäßige Teilnahme an Meetings der Abteilungsleiter der unterschiedlichen operativen Einheiten an Bord sind obligatorisch.

Als Hygienebeauftragter an Bord unterliegt ihm das Führen des sogenannten GI-Logs und der „Narcotic List“ (Betäubungsmittelbestand). Er ist Disziplinarvorgesetzter des medizinischen Personals und Verantwortlicher der Erstellung der sogenannten „Health Declaration“ für jeden anzusteuernden Hafen. Die Teilnahme an gesellschaftlichen Anlässen mit allen anderen ranghohen Offzieren und dem Kapitän sowie die Durchführung des „Elementary First Aid Course“ für die Crew runden sein Aufgabenspektrum ab.

Schiffsarzt Anforderungen

Das Spektrum reicht von vorwiegend internistischen Krankheitsbildern bis zu seltenen akuten chirurgischen Situationen.

Bezüglich der medizinischen Berufserfahrung sollte der Schiffsarzt nicht nur ein erfahrener Notfallmediziner sein, sondern sich mit Diagnosen und Therapien multipler Fachgebiete auskennen. Das Spektrum reicht von vorwiegend internistischen Krankheitsbildern bis zu seltenen akuten chirurgischen Situationen.

Der Schiffsarzt muss darüber hinaus mit dermatologischen, ophthalmologischen, neurologischen und gynäkologischen Notfällen sowie anderweitigen Erkrankungen kleinerer medizinischer Fachgebiete vertraut sein. Spezielle maritime Herausforderungen wie Seekrankheit und Tauchunfälle bis zum Ertrinkungstod können bei Expeditionen vorkommen.

Vorwiegend innerhalb der Besatzung, die sich aus zahlreichen, zum Teil exotischen Nationalitäten zusammensetzen, kann der Schiffsarzt mit einer seltenen Tropenerkrankung konfrontiert werden. Auch sollte der Schiffsarzt eine notfallmedizinische Zahnbehandlung bis in den nächsten Hafen durchführen können.

Die notfallmedizinischen Kenntnisse umfassen die Weiterbildung Notfallmedizin, die Fachkunde Notfallmedizin oder notfallmedizinische Zertifikatsprogramme (z.B. ACLS® , PALS®, ATLS®) oder sollten regelmäßig absolvierte Dienste im Rettungswesen umfassen.

Zusatznachweise wie routinierte Sonogra ekenntnisse, Röntgenbefähigung, fießende Engischkenntnisse einschließlich des medizinischen und pharmazeutischen Vokabulars sowie eine deutsche oder internationale Seediensttauglichkeit sind ebenfalls Eingangsvoraussetzungen für die Tätigkeit als Schiffsarzt an Bord von Passagierschiffen.

Die Anzahl der Kollegen, die über diese umfangreichen Kompetenzen verfügen, ist limitiert, was den Grund des Schiffsarztmangels verdeutlicht.

Bezüglich des Umfangs der notwendigen maritimen Fort- oder Ausbildung hat die Deutsche Gesellschaft für Maritime Medizin in diesem Jahr ein Curriculum entwickelt, das derzeit innerhalb der International Maritime Health Association (IMHA) Gegenstand intensiver Diskussionen ist. Dabei tritt unter anderem die Frage auf, ob bestimmte Kriterien der Schiffsarztausbildung in internationale Vorschriften, Empfehlungen oder Regelwerke aufgenommen werden sollen.

Seediensttauglichkeit

Die Regelungen zur Seediensttauglichkeit konkretisieren die gesundheitlichen Anforderungen für die Arbeit an Bord.

Im Jahr 2014 ist die neue Maritime-Medizin-Verordnung (MariMedV) in Kraft getreten. Anlage 1 der MariMedV enthält die Anfordeerungen an das Seh- und Hörvermögen, an die körperliche Leistungsfähigkeit, Tauglichkeitskriterien bei medikamentöser Behandlung und bei Gesundheitsstörungen sowie Ausschlussgründe für die Seediensttauglichkeit.


Verzeichnis der Ärzte, die Seediensttauglichkeitsuntersuchungen durchführen:

Basic Safety and Crowd Management

Der Schiffsarzt im Offiziersrang muss laut CLIA Empfehlungen über ein Basic Safety und Crowd Management Training (BST A-VI/1) verfügen.

Dabei handelte es sich um einen 80h Kurs, der alles sicherheitsrelevanten Gefahrenlagen an Bord behandelt. In Deutschland gibt es einige Anbieter an der Küste, allerdings konnte bei einem Anbieter in England das BST und Crowd Management in 5 Tagen erworben werden.

Augrund des Schiffsarztmangels wurde der obligatorische 80h auf einen 40h Kurs gesenkt. Notwendig sind die Kursinhalte:

  1. Basic Safety Training for Service Personal
  2. Crowd Management Training acc. to STCW
  3. Security Awareness Training (Tab. A-VI/6-1 und A-VI/6-2)

Die Schiffsarztbörse empfiehlt den Kurs in England, da man als angehender Schiffsarzt schon die internationale Bordsprache und die Befehlsketten/Kommandos in englisch trainieren kann:

ACLS - PALS und ATLS

Da die meisten Kreuzfahrtmarken amerikanische Mutterkonzerne haben sind Kurse, die von der American Herat Association zertifiziert sind, für einige Fachgebiete notwendig:

  • ACLS = Advanced Cardiac Life Support
  • PALS = Pediatric Advanced Life Support
  • ATLS = Advanced Trauma Life Support
  • PHLS = Prehospital Life Support

Anästhesisten und routinierte Notfallmediziner können die Kurse Advanced Cardiac Life Support (ACLS) und Pediatric Advanced Life Support (PALS) online absolvieren:

Inwieweit die Absolvierung der Kurse ACLS und PALS für deutsche Fachärzte (z.B Anästhesisten) oder ATLS bzw. PHLS für Chirurgen Sinn machen, ist innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Maritime Medizin Gegenstand heftiger Diskussionen. Die Kurse sind zwei Jahre gültig und müssen alle zwei Jahre aufgefrischt werden. Wir laden alle Kollegen ein, sich an der Diskussion innerhalb der DGMM zu beteiligen.

Fachbuch Maritime Medizin

Der Gründer der Schiffsarztbörse PD Dr. med. Christian Ottomann ist zugleich Herausgeber des Fachbuchs Maritime Medizin im Sringer Medizin Verlag. Erstauflage 2012, koeditiert vom Past Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Maritime Medizin (DGMM)
Dr. med. Klaus Seidenstücker.

Literatur

Bei Interesse für die Maritime Medizin empfehlen wir die Zeitschrift Flugmedizin, Reisemedizin und Tropenmedizin (FTR), die Sie als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Maritime Medizin (DGMM) kostenlos erhalten. Auf internationaler Ebenen gibt es darüber hinaus das Journal International Maritime Health (IMH).

Literaturliste:

  • [1] Peake DE, Gray CL, Ludwig MR, Hill CD Descriptive epidemiology of injury and illness among cruise ship passengers. Ann Emerg Med. 33 (1999), 67-72
  • [2] McKay MP Maritime health emergencies. Occup Med (Lond). 57 (2007), 453-5
  • [3] Dahl E Medical practice during a world cruise: a descriptive epidemiological study of injury and illness among passengers and crew. IntMarit Health. 56 (2005), 115-28
  • [4] Dahl E Crew referrals to dentists and medical specialist ashore: a descriptive study of practice on three passenger vessels during one year. Int Marit Health. 57 (2006), 127-35
  • [5] Dahl E Anatomy of a world cruise. J Travel Med. 6 (1999), 168-71,
  • [6] Jäger H: Medizinische Versorgung an Bord von Schiffe. Kreuzfahrt-medizinische Erfahrungen. Fortschr Med. 27 (1979), 1191-4
  • [7] Deutsche marine Teil III Zeitschrift Truppendienst - Zeitschrift für Ausbildung, Führung und Einsatz
  • [8] Schiffsarzt – ein realisierbarer Traum? Medical Tribune 41 (2008) 12
  • [9] Last V. Telemedizin in der Seefahrt – Von den Anfängen der Telemedizin bis zum heutigem Einsatz. Eberhard Karls Universität Tübingen, Seminar Medizin-Telematik, SS 2006
  • [10] Gießen H. Arzt und Beruf: Ärzte auf hoher See.
  • [11] Verordnung über die Krankenfürsorge auf Kauffahrteischiffen
  • [12] Richtlinie Nr. 4 des Arbeitskreises der Küstenländer für Schiffshygiene, 12. November 2008
  • [13] Schwerdt W. Ärzte an Bord- Schissmedizin von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert
  • [14] Dean King, John B. Hattendorf, J. Worth Estes: A Sea of Words: Lexicon and Companion for Patrick O‘Brian‘s Seafaring Tales Henry Holt,2001, S. 31
  • [15] Föcking M. Pathologia litterlis. Erzählte Wissenschaft und wissenschaftliches Erzählen im französischen 19. Jahrhundert. Gunter Narr, Tübingen 2002
  • [16] Basch-Ritter R. Die Weltumsegelung der Nvara 1857 – 1859. Österreich auf allen Meeren. ADEVA, Graz 2008
  • [17] EngferA. Die Ausbildung der Marinesanitätsoffizieranwärter in den deutschen Marinen (1848-1945). Dissertation, Medizinische Fakultät , Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg 2004
  • [18] Zuckermann JN. Principles and practice of travel medicine. John Wiley and Sons 2001

Nautisches Englisch:

  • [1] IMO- Standardredewendungen für die Seefahrt, Englisch – Deutsch Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie; ISBN 978-3-8971-178-4
  • [2] Jürgen Utrata: Utrata Fachwörterbuch Seeschifffahrt; Utrata Fachbuchverlag, Gelsenkirchen; ISBN 978-3-9443-01-1
  • [3] Dressler S, Wörterbuch Medizin Englisch; Langenscheid/Elsevier, Berlin; ISBN 978- 3- 86117-283-3
  • [4] Schumacher T, Medizinisches Wörterbuch für Rettungsdienst, Notfallmedizin und Flugambulanz, Kohlhammer, Stuttgart; ISBN 978-3-17-019171-6
  • [5] 5. Barten J, Vollständiges nautisches Wörterbuch Deutsch – Englisch, Salzwasser Verlag, Bremen (keine ISBN, da es sich um einen Nachdruck handelt